«Guter Start» der Atomgespräche mit Iran in Wien

(Zeit Online)
Oct 19, 2009

Die Atomgespräche zwischen dem Iran und mehreren Nationen in Wien haben nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA gut begonnen. «Die meisten technischen Aspekte sind besprochen worden».

Das sagte IAEA-Chef Mohammed el Baradei am Montagabend. Die Gespräche seien recht konstruktiv und sollten am Dienstag fortgesetzt werden. Die Iraner wollten sich nicht äußern und verwiesen auf die Aussage des IAEA-Chefs.

Im Schatten des verheerenden Anschlags im Iran wollen Vertreter Teherans und der anderen Staaten über den Export iranischen Urans zur weiteren Anreicherung im Ausland sprechen. Zuvor hatte Teheran bereits klargestellt, dass damit sein bestehendes Programm zur niedrigen Urananreicherung nicht infrage stehe. Zudem sagte der Sprecher der iranischen Atombehörde, Ali Schirsadian, der iranischen Nachrichtenagentur IRNA am Montagmorgen, dass falls die Gespräche scheiterten, der Iran sein Uran selbst höher auf 20 Prozent anreichern werde.

Obwohl der UN-Sicherheitsrat und die IAEA seit Jahren den Stopp des Programms fordern, reichert der Iran in seiner Anlage in Natans Uran niedrig an, schätzungsweise auf rund 5 Prozent. Das könnte für die Stromgewinnung genutzt werden.

Bei den Atomgesprächen zwischen Vertretern des Irans, der USA, Russlands und Frankreichs bei der IAEA in Wien geht es darum, iranisches Uran zur höheren Anreicherung auf 20 Prozent und Verarbeitung nach Russland und Frankreich zu schicken. Das islamische Land braucht diesen Brennstoff für einen Forschungsreaktor zu medizinischen Zwecken in Teheran. Auf 20 Prozent angereichertes Uran ist nicht für Atomwaffen nutzbar, dafür müsste der Anreicherungsgrad deutlich höher liegen. Eine Einigung bei den Gesprächen wäre ein wichtiger Schritt bei den seit Jahren festgefahrenen Verhandlungen um den wirklichen Charakter des iranischen Atomprogramms.

Der verheerende Selbstmordanschlag vom Sonntag auf die paramilitärischen Revolutionsgarden im Iran mit 42 Toten wirft jedoch einen Schatten auf die Verhandlungen. Neben Pakistan und Großbritannien hatte Teheran auch die USA - Teilnehmer der Atomgespräche - als Hintermänner der Tat beschuldigt.

Neben IAEA-Chef El Baradei nahmen an den Verhandlungen der stellvertretende US-Energieminister Daniel Poneman und höhere russische und französische Beamte teil. Die iranische Delegation wurde von IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh angeführt. Die Gespräche fanden hinter verschlossenen Türen statt und könnten bis Mittwoch dauern.

Das Treffen in Wien geht auf Verhandlungen mit den Weltmächten Anfang Oktober zurück. Damals hatte das islamische Land nach Gesprächen mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates (USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China) sowie Deutschland seine Bereitschaft erklärt, sein Uran im Ausland anreichern zu lassen. In Wien sollen nun die technischen Details geklärt werden. Nach den Gesprächen in Wien wollen die Weltmächte auf höherem Level weiter mit dem Iran über sein Atomprogramm sprechen.


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